Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser im internationalen Vergleich

Die Digitalisierung von Krankenhäusern bietet große Chancen, die Patientenversorgung zu verbessern und Prozesse im Krankenhaus zu optimieren. Durch den Einsatz moderner IT-Systeme und digitaler Anwendungen können administrative Abläufe verschlankt, Mitarbeiter entlastet und wertvolle Ressourcen für die direkte Patientenversorgung freigesetzt werden. Auch wenn ein hoher Digitalisierungsgrad viele Potentiale birgt, ist die Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern insbesondere im internationalen Vergleich bisher eher langsam vorangekommen. Doch wo genau befinden wir uns heute im Vergleich mit anderen Ländern? Und ist ein Vergleich des Digitalisierungsgrades von Krankenhäusern verschiedener Länder überhaupt objektiv möglich?

Gibt es in Deutschland Daten zum Digitalisierungsgrad von Krankenhäusern, die für einen internationalen Vergleich in Frage kommen?

Kommen wir zunächst zu der Datenlage zum Digitalisierungsgrad der Krankenhäuser in Deutschland. Im Rahmen der KHZG-Förderung wurde von dem Konsortium DigitalRadar die wohl umfangreichste Studie zum digitalen Reifegrad der Krankenhäuser in Deutschland durchgeführt. Erstmalig ist es möglich, den Stand der Digitalisierung von fast allen Krankenhäusern in diesem Land zu beschreiben. Da die Umfrage eine Voraussetzung für eine Förderung nach dem KHZG ist, war die Beteiligung entsprechend hoch. Von insgesamt 1.893 Krankenhäusern in Deutschland laut Statistischem Bundesamt nahmen 1.624 Krankenhäuser an der Studie teil.

Als Ergebnis der Studie wird einerseits für jedes Krankenhaus eine Punktebewertung auf einer Skala von 0 bis 100 Punkte berechnet, dem Digital-Radar Score. Andererseits wird aus den Daten ein EMRAM-Indikator Wert bestimmt, der eine Schätzung darstellt, welchen EMRAM-Score ein Krankenhaus mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einer EMRAM-Zertifizierung bekommen würde. Das EMRAM-Modell ist ein weiteres Modell zur Evaluierung des Digitalisierungsgrads in Krankenhäusern. Da dieses das international am meisten verbreitete Modell ist, kann dieses Modell gut für einen internationalen Vergleich herangezogen werden. Ein Vergleich des Digitalisierungsgrads in Deutschland mit dem Digitalisierungsgrad in anderen Ländern ist somit anhand der prognostizierten EMRAM-Stufen für die Krankenhäuser möglich.

Was ist das EMRAM-Modell?

Das EMRAM-Modell ist ein Modell zur Bewertung des Digitalisierungsgrads von Krankenhäusern. Für eine Bewertung und Zertifizierung verantwortlich ist dabei die HIMSS Analytics Group. Diese hat das EMRAM Bewertungsmodell erstmals 2005 herausgebracht und seitdem kontinuierlich ergänzt und angepasst. Auf der EMRAM Skala werden insgesamt 8 Stufen (von 0 bis 7) unterschieden. Hierbei entspricht die EMRAM-Stufe von 0 einem Krankenhaus ohne jegliche Digitalisierung und die EMRAM-Stufe von 7 einem vollständig digitalisierten Krankenhaus. Ein grober Überblick über einige der Kriterien der EMRAM-Stufen ist in der untenstehenden Abbildung dargestellt.

 

Eine EMRAM-Zertifizierung bietet neben dem Vergleich verschiedener Krankenhäuser jedoch auch weitere Nutzungsmöglichkeiten. Eine hohe EMRAM-Zertifizierung wird als Qualitätsmerkmal gesehen und kann als Wettbewerbsvorteil genutzt werden. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist, die EMRAM-Stufen als Roadmap für weitere Digitalisierungsschritte eines Krankenhauses zu verwenden.

Wie ist der aktuelle Stand des Digitalisierungsgrads deutscher Krankenhäuser im internationalen Vergleich?

In der untenstehenden Abbildung wird der Digitalisierungsgrad verschiedener Länder und Regionen im Vergleich dargestellt. Die Daten hierzu stammen aus dem Zwischenbericht des DigitalRadar Konsortiums. Dort sind diese in Form einer Verteilung der Krankenhäuser auf die EMRAM-Stufen gegeben. Für diese Abbildung wurde dabei aus den in dem Bericht vorhandenen Verteilungen jeweils ein Mittelwert für alle Krankenhäuser eines Landes gebildet.

Was ist bei diesem hier dargestellten Vergleich des Digitalisierungsgrads zu beachten?

Bei dem hier dargestellten internationalen Vergleich gibt es jedoch einige Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Erstens basieren die Daten für Deutschland auf den vom DigitalRadar prognostizierten EMRAM-Stufen. Die prognostizierten EMRAM Stufen entsprechen nur einer verkürzten Version der EMRAM-Bewertung. Zweitens muss beachtet werden, dass die Daten der anderen Länder unter anderen Umständen erhoben wurden. Die Daten für die USA und Australien stammen von Krankenhäusern, die von sich aus entschieden haben, ihren digitalen Reifegrad zu messen. Die Daten für Kanada beziehen sich nur auf alle Krankenhäuser der Provinz Ontario, da diese Region eine Partnerschaft mit HIMSS zur jährlichen EMRAM-Bewertung eingegangen ist. Somit können diese Daten nur bedingt miteinander verglichen werden.

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Larissa Hütter

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