Die größten Emissionsquellen der IT

Im Kampf gegen den Klimawandel trifft die IT auf die immer selben drei Probleme. Einerseits sind die Ziele so unrealistisch hoch angesetzt, dass sie nie erreichbar wirken. Gängiges Bild ist, dass gestern keinerlei Emissionsdaten erfasst wurden und man morgen klimaneutral sein will. Neben zu hohen Zielen sind auch schwammig formulierte qualitative Ziele nicht wirklich hilfreich. Diese können durch das Fehlen eindeutiger Zahlen weder dokumentiert noch verglichen werden. Somit tappt man im Dunklen, ob das Ziel erreicht wird oder nicht. Schlussendlich kommt noch dazu, dass die größten Emissionsquellen der IT entweder unbekannt sind oder von Veränderungen verschont bleiben.

Technologie verschafft Abhilfe

Die drei Probleme haben eines gemeinsam: Sie können mit Technologie gelöst werden. Der schlaue Einsatz von Technologien stellt die Grundlage für langfristige Nachhaltigkeit in Unternehmen dar und ist somit Dreh- und Angelpunkt im Kampf gegen zu hohe Emissionen. Unternehmenstechnologie alleine verursacht rund 1 Prozent der globalen Treibhausgase. Was wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirkt, entspricht den gesamten Emissionen des Vereinten Königreichs. Der Einfluss ist somit bedeutend, wodurch ein Blick auf die verfügbaren Technologien lohnt.

Hierbei bestehen zwei Arten an Technologien:

  • Offensive Technologien eliminieren, ersetzen, oder lagern Emissionsquellen durch Emissionsgutschriften aus. Beim Einsatz offensiver Technologien sind die Veränderungen sofort spürbar und mit viel Aufwand verbunden.
  • Defensive Technologien reduzieren Emissionen ohne größere Veränderungen. Es entsteht verhältnismäßig geringer bis kein Aufwand. Dennoch bringen defensive Technologien einen bemerkenswerten, messbaren Mehrwert. Der Kern von defensiven Technologien sind Monitoring- und Analysetools.  Hierdurch sollen primär Scope 2-Emissionen (Emissionen aus den verwendeten Energiequellen) und Scope 3-Emissionen (Emissionen aus dem Lifecycle eines verwendeten Produktes) eliminiert werden. Scope 1-Emissionen (direkte Emissionen aus der unmittelbaren Verbrennung fossiler Brennstoffe) können nicht tangiert werden.
ESG Scopes
Quelle: Rewion

Die Verteilung der Emissionen überrascht

Die Emissionen aus Unternehmenstechnologien sind klar verteilt. Der Großteil stammt aus Scope 3-Emissionen – konkret sind das durchschnittlich 80 % der Unternehmensemissionen. Dieser Großteil kommt daher, dass über die Lieferkette von Produkten und Services viele Akteure mitspielen und dadurch einen Teil an Emissionen beitragen, die in den dritten Scope einberechnet werden. Somit existiert enormes Einsparungspotenzial bei den Emissionen, welche über den Lebenszyklus eines Produktes entstehen.

Emissionenkette
Quelle: Rewion

Die geringer ins Gewicht fallenden Scope 2-Emissionen haben zweierlei Quellen. Indirekte Emissionen aus der Verwendung von Energie stammen zu 69 % aus Rechenzentren und zu 31 % aus der Verwendung von Endnutzergeräten.

Scope 2 Emissonen
Scope 2-Emissionen (Anlehnung an McKinsey)

Die bedeutsameren Scope 3-Emissionen sind weiter verteilt. Angeführt werden diese von den Endnutzergeräten als Quelle mit 32,4 %. Gefolgt von Software (23,7 %), IT-Service (20,2 %), und Telekommunikation (19,3 %). Die restlichen Scope 3-Emissionen fallen auf Rechenzentren (3,2 %) , Cloud (1 %) und interne Service (<0,1 %) zurück.

Scope 3 Emissonen
Scope 3-Emissionen (Anlehnung an McKinsey)

Reiht man alle Emissionsquellen nebeneinander auf, ergibt sich sofort, wo Emissionen am einfachsten eingespart werden können.

Alle Emissionsquellen
Alle Emissionsquellen [Mt CO2] (Anlehnung an McKinsey)
So sind die Emissionen, welche aus dem Lifecycle der Endnutzergeräte hervorgehen, größer als die Summer aller Scope 2-Emissionen. Da bei den Scope 2 und 3-Emissionen der Endnutzergeräte ein Wachstum von 13 % pro Jahr prognostiziert wird, besteht hier der größte Handlungsbedarf.

Die Maßnahmen

Maßnahmen können je nach Größe des zeitlichen und monetären Investments und der erzielten positiven Wirkung auf die Emissionen in vier Kategorien eingeteilt werden:

Quick Wins

Hierunter fallen alle Maßnahmen, welche insgesamt sogar Geld einsparen und gleichzeitig Emissionen senken. Dadurch ist es im Eigeninteresse, Quick Wins sofort durchzuführen. Es besteht nahezu kein Risiko.

Darunter fällt das Optimieren der Anzahl an Endnutzergeräten und die Verlängerung der Lifecyclen von Endnutzergeräten. Bezogen auf die Emissionen der Endnutzergeräte können so bereits über die Hälfte eingespart werden. Gelingt dies, fällt global gesehen jede sechste Megatonne CO2 aus Unternehmenstechnologien weg. Endnutzergeräte sind somit die größten Emissionsquellen der IT.

Sinnvolle Veränderungen für Klimaneutralität

Diese Maßnahmen sparen entweder Geld und haben einen akzeptablen Einfluss auf Emissionen oder bringen kleine Investitionskosten mit sich, haben dafür aber einen sehr großen positiven Einfluss.

Darunter fallen einige Maßnahmen:

  • Die Leistung von Rechenzentren auf das Nötige senken. Meist eine schnelle und gute Maßnahme – verbunden mit großen Einsparungen.
  • Einführung von Endnutzergeräten mit hoher Energieeffizienz. Es entstehen Kosten für die Umstellung des Geräteportfolios.
  • Cloud-Migration. Absolutes Must-Do für Klimaneutralität. In professionell organisierten Rechenzentren ist der Grad an Effizienz unvergleichbar hoch, im Gegensatz zu selbst organisierten Zentren. Die Auslagerung auf Experten ist hier sehr sinnvoll. Bis zu 55 % der Emissionen von Rechenzentren können so gespart werden.
  • Kauf von Grünstromzertifikaten
  • Ausschließlich klimabewusste Lieferverträge abschließen
  • Grüne Energie beziehen
  • Eigene grüne Energiegewinnung installieren. Teures Vorhaben, welches bei gut strukturierter Umsetzung allerdings den Weg zur Klimaneutralität ebnet.

Abschließende Maßnahmen

All die Maßnahmen, deren Kosten-Nutzen-Bilanz akzeptabel, allerdings nicht berauschend ist.

  • Nicht benötigte Software konsequent ausgliedern. Hierdurch entstehen keine Kosten, allerdings ist die Wirkung nur marginal.
  • Auf Energie-effiziente Systemkomponenten setzen.

Optionales

Maßnahmen mit geringen Kosten und geringem positivem Einfluss.

  • Endnutzergeräte effizient nutzen, beispielsweise durch geteilte Nutzung.
  • Einführung von nachhaltigen Code-Standards, zur Einsparung menschlicher und maschineller Ressourcen.

Durch all diese Maßnahmen können fast alle Unternehmen innerhalb eines Jahres 15-20 % ihrer Emissionen sparen. Das sind…

… 74.560.000.000 Kilogramm CO2 oder

… CO2-Durchschnitts-Emissionen von 6,6 Millionen Deutschen.

Um diese Maßnahmen zu dokumentieren, müssen Emissionsdaten korrekt erhoben werden. Hierzu eignet sich zur Abwägung von Investitionen zur Einsparung von Emissionen die Maßeinheit „Kosten pro gesparter Tonne CO2„.

Die genutzten Programme müssen dann in der Lage sein

  • den Ist-Stand zu erfassen,
  • diesen mit dem gesetzten Ziel in Echtzeit abzugleichen,
  • kontinuierlich automatisiert Daten erheben und präsentieren und
  • Endnutzergeräte verwalten zu können, um die größten Emissionsquellen der IT beseitigen zu können.

Bei Fragen oder Anregungen zum Thema Sustainable IT, Green IT oder Digital Sustainability stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Dieser Blog beinhaltet Daten des Artikels „The green IT revolution: A blueprint for CIOs to combat climate change“ von McKinsey Digital. Zahlen wurden gemittelt.

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Yannick Hirt

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