Sustainable IT Know-How

Im nachfolgenden Abschnitt erwartet Sie das Know-How zum Thema Sustainable IT – kurz und bündig zusammengefasst.

Der Fokus von Sustainable IT liegt auf einer umweltbewussten und nachhaltigen Nutzung von Technologie in Kombination mit technologischem Fortschritt. Sustainable IT umfasst dabei sämtliche Produkte und Dienstleistungen im IT Bereich und damit verbundene Bemühungen, Informations- und Kommunikationstechnologien nachhaltig und umweltschonend zu nutzen.

Wovon kommt Sustainable IT?

Im Grundsatz entsteht Sustainable IT aus einer negativen Folge des globalen Fortschritts im Bereich der digitalen Transformation. Der weltweite Energieverbrauch steigt stetig an und es ist keine Änderung in absehbarer Zeit sichtbar. Momentan ist die IT für rund 2 bis 3 Prozent des globalen Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes verantwortlich. In den kommenden Jahren soll dies sogar bis auf 8 Prozent ansteigen. Zum Vergleich, der Luftverkehr hatte im Jahr 2019 einen Anteil von 2,4 Prozent.

Es ist daher offensichtlich, dass in der Zukunft die Aufmerksamkeit sowie das entsprechende Bewusstsein in Bezug auf nachhaltige Themen vermehrt auch auf den IT-Bereich gelegt wird.

Was ist Sustainable IT?

Sustainable IT enthält beispielsweise Themen wie die Infrastruktur, den Betrieb der IT, der Hardware Lebenszyklus, Softwareentwicklung oder IT-spezifische Prozesse. Diese Themen gliedern sich in den Bereich Nachhaltigkeit in der IT ein. Des Weiteren gibt es den Bereich Nachhaltigkeit durch IT. Dazu gehören Themen wie Cloud Services, Artificial Intelligence, Machine Learning oder Digital Transformation. Diese Themen ermöglichen es, Lösungen zu entwickeln, welche einen nachhaltigen Nutzen haben.Nachhaltig in IT

Nachhaltig durch IT

Im Grundsatz lassen sich für die IT vier relevante Anwendungsbereiche identifizieren. Diese widerspiegeln in vielerlei Hinsicht die Wertschöpfungskette von Gütern. Auch Dienstleistungen lassen sich stellenweise einordnen. Nachfolgend werden die erwähnten Anwendungsbereiche aufgelistet:

  • Energiegewinnung
  • Ressourcen- und Energieverbrauch
  • Emissionen (im Zentrum CO2)
  • Recycling/Rückführung

Die erwähnten Anwendungsbereiche lassen sich jeweils direkt oder indirekt durch Maßnahmen beeinflussen. Um einen ganzheitliches Vorgehen zu wählen, muss jeder Aspekt im Unternehmen analysiert werden. Dies ist wichtig, denn oftmals überschneiden sich Anwendungsbereiche. Es gilt, diese Überschneidungen zu identifizieren und gezielte Maßnahmen zu definieren. Dadurch kann man mittels Hebelwirkung wirkungsvollere Ergebnisse erzielen.

Was sind die Ziele von Sustainable IT?

Die Ziele lassen sich im IT-Bereich auf fünf Gebiete unterteilen. Diese sind die Infrastruktur, die Prozesse, Software, Hardware sowie soziale Aspekte. Ein oftmals vernachlässigter Punkt ist der soziale Aspekt. Bei Transformationen, wie es bei nachhaltigen Themen meistens geschieht, ist die Einbindung des Faktors Mensch extrem wichtig. Nur dadurch können Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden.

Nachfolgend werden zu den einzelnen Gebieten Ziele präsentiert. Im Grundsatz müssen Unternehmen Ziele auf die unternehmensspezifische Gegebenheiten abstimmen. Dies umfasst Faktoren wie beispielsweise das Geschäftsumfeld eines Unternehmens und die Unternehmensstrategie (vor allem im Bereich Nachhaltigkeit) sowie die Unternehmenskultur.

Infrastruktur

  • Reduktion des Energieverbrauchs bei der Nutzung von IT
  • Nachhaltiger und emissionsarmer Betrieb von IT Diensten

Prozesse

  • Digitale Prozesse
  • Effiziente und effektive (schlanke) Prozesse

Software

  • Einsatz von IT zur Reduktion der Emissionen anderer Produkte und Services
  • Ressourcenschonende und langfristig ausgerichtete Entwicklung von Software

Hardware

  • Verringerung des Ressourcen- und Energieverbrauchs bei der Geräteherstellung
  • Gesamtheitlicher Herstellungsprozess von Hardware (Cradle-to-Cradle)
  • Recycling und energiesparende Entsorgung

Soziale Aspekte

  • Soziale und faire Arbeitsbedingungen
  • Work/Life Balance

Weitere Informationen zu diesem und den vorherigen Abschnitten finden sind auch im folgenden Blog-Post: „Was ist Sustainable IT“

Welche Maßnahmen kann man ergreifen?

Normalerweise leiten sich die Maßnahmen aus den Zielen ab. Daher ist es wichtig, Ziele in Unterziele zu unterteilen. Damit können leichter wirkungsvolle Schritte definiert werden, um das Gesamtziel zu erreichen. Bei den Maßnahmen ist es wichtig, dass Unternehmen ein koordiniertes und ganzheitliches Vorgehen wählen. Die anschließenden Maßnahmen sind Beispiele für die Ziele aus dem vorherigen Abschnitt.

Infrastruktur

Im Gebiet der Infrastruktur ist das Thema Cloud Services ein essenzieller Faktor. Dadurch werden gleich mehrere Probleme angesprochen. Beispielsweise fördert dies die generelle Energieeffizienz sowie den gesamten Hardware Lebenszyklus, welcher ohne Cloud Lösungen nötig ist. Dazu kommen bei der Infrastruktur zum Beispiel bauliche Maßnahmen oder der Bezug von erneuerbarer Energie.

Prozesse

Prozesse sind ein extrem breites Thema. Insofern gibt es viele Möglichkeiten, hier nachhaltige Fortschritte zu erzielen. Die einfachsten Beispiele sind das papierlose Büro oder ein digitales Rechnungswesen.

Software

Bei Software erkennt man den aufsteigenden Trend des „Green Software Engineering“. Dabei geht es darum, Software so zu entwickeln, dass sie möglichst energie- und ressourceneffizient ist. Schließlich sind weitere Möglichkeiten die Nutzung von Artificial Intelligence und Machine Learning zu Optimierungszwecken. Dies betrifft beispielsweise Prozesse oder Daten. Ein konkretes Beispiel dazu ist Verkehrsmanagement. Mittels AI lassen sich Stauabschnitte vorhersagen und alternative Routen vorschlagen.

Hardware

Zum Thema Hardware gibt es mittlerweile eine Menge Lösungen, wie beispielsweise das Recycling der Geräte. Trotz der Bekanntheit werden nur 17,4 Prozent des Elektromülls recycelt (Stand 2019). Umso wichtiger ist es also, dass sich Unternehmen diesem Thema annehmen. Eine weitere Lösung ist die Nutzung von Second Hand oder Refurbished Hardware. Auch dadurch kann ein enormer Anteil geleistet werden. Zumal die Produktion der Hardware meistens mehr CO2 ausstößt als die Nutzungsdauer.

Soziale Aspekte

Zuletzt folgt der soziale Aspekt. Durch die COVID 19-Pandemie hat sich hier grundsätzlich eine Lösung ergeben, welche den nachhaltigen Einfluss eines Unternehmens immens fördert. Nämlich das Thema Remote Work oder Work from Home. So hat eine 20 Kilometer lange Reise mit dem Auto einen etwa 16-fachen negativeren Einfluss auf die Umwelt als eine dreistündige Videokonferenz zwischen zwei Personen mit Video. Insofern verdeutlicht dies den möglichen Einfluss, welcher mit den richtigen Maßnahmen umzusetzen ist.

Fachbegriffe und Glossar

Nachfolgend werden einige Fachbegriffe zum Bereich Sustainable IT erläutert.

Erneuerbare Energie (Renewable Energy)

Zu den erneuerbaren Energien gehören alle Energiequellen, die über den menschlichen Zeithorizont praktisch unerschöpflich für die Energieversorgung zur Verfügung stehen. Beispiele sind Wasserkraft, Sonnenenergie, Bioenergie, Geothermie, Windenergie sowie Meeresenergie.

Kohlenstofffreie Energie (Carbon Free Energy (CFE))

Kohlenstofffreie Energie stößt bei der Herstellung keine Kohlenstoffemissionen aus. Beispiele für Energiequellen, welche als kohlenstofffrei bezeichnet werden können, sind Sonnenenergie, Wind- oder Wasserkraft und Kernkraft. Im Vergleich zum Begriff „Erneuerbare Energie“ schließt kohlenstofffreie Energie auch Kernenergie ein.

Kohlenstoff-Fußabdruck (Carbon Footprint)

Der Kohlenstoff-Fußabdruck ist ein Messwert in Form einer Kennzahl, welcher zur Berechnung der ausgestoßenen Menge an Treibhausgasen verwendet wird. Diese Treibhausgase werden direkt und indirekt durch menschliche und unternehmerische Aktivitäten ausgelöst.

Kohlenstoff-negativ (Carbon Negative)

Den Status „Kohlenstoff-negativ“ hat eine Organisation, ein Unternehmen oder ein Individuum erreicht, wenn man mehr Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernt, als man erzeugt. So hat sich beispielsweise Microsoft zum Ziel gesetzt, bis 2030 „Carbon negative“ zu sein. Heißt, das Unternehmen muss bis dahin die Emissionen in seiner eigenen Wertschöpfungskette verringern sowie Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen, um einen negativen Kohlenstoffwert zu erhalten.

Kohlenstoff-positiv (Carbon Positive)

Beim Begriff „Kohlenstoff-positiv“ redet man von der Umkehrung des Klimawandels. Dies würde entsprechen über die Klimaneutralität hinausgehen. Das heißt konkret, man muss Maßnahmen entwickeln, die den Klimawandel rückgängig machen. Beispiele hierzu könnten sein, die globalen Kohlenstoffemissionen bis in Kürze auf null zu bringen sowie zusätzliche Kohlenstoffemissionsquellen zu vermeiden. Dazu ist der Übergang zu erneuerbaren Energiequellen und die Speicherung von erneuerbarer Energie schnellstens nötig. Danach liegt der Fokus darauf, alle Kohlenstoffemissionen, die durch den Menschen verursacht wurden, zu beseitigen.

Kohlenstoffneutral (Carbon neutral)

Kohlenstoffneutral bezeichnet den Status, wenn ein Unternehmen, eine Organisation oder ein Individuum durch unterschiedliche Maßnahmen alle Kohlenstoffemissionen kompensiert. So können beispielsweise sogenannte CO2-Offsets gemacht werden, die GHG-Emissionen auf dem Papier reduzieren. Diese Offsets werden in Form von Investitionsprojekten oder finanziellen Zertifikaten gemacht, um die eigene Emissionsbilanz zu begleichen.

Kreislaufwirtschaft (Circular Economy)

Eine Kreislaufwirtschaft richtet sich längst über die Wiederverwendung und das Recycling von Abfall hinaus. Die Kreislaufwirtschaft fokussiert sich auf eine Neudefinition von Wirtschaftswachstum. Dabei sollen vor allem Aspekte beachtet werden, die eine positive gesellschaftliche Auswirkung haben. Die Kreislaufwirtschaft umfasst Wirtschaft, Umwelt und soziales Kapital und basiert auf den folgenden Prinzipien:

  • Design von Abfall- und Verschmutzungsfaktoren
  • Materialien und Ressourcen im Nutzungskreislauf halten
  • Umweltsysteme regenerieren

Saubere Energie (Clean Energy)

Bei „sauberer“ Energie spricht man im Normalfall von Energiequellen, die keine Kohlenstoffemissionen verursachen. Saubere Energiequellen sind jedoch nur bedingt erneuerbar. Beispiele für saubere Energie sind sämtliche erneuerbare Energiequelle wie Wind, Sonne, Wasser sowie Atomenergie. Letzteres fällt jedoch nicht unter die Kategorie „Erneuerbare Energie“.

Dekarbonisierung (Decarbonization)

Unter Dekarbonisierung verstehen sich sämtlich Intentionen, um CO2-Emissionen und Treibhausgase zu reduzieren. Eine komplette Dekarbonisierung wäre in dem Fall die Erreichung des Ausgleich einer kompletten Kohlenstoffbindung und -Reduzierung.

Treibhausgase (Greenhouse Gas Emissions, GHGs)

Treibhausgase sind jene Gase, die durch ihre Existenz in der Atmosphäre die Klimaerwärmung begünstigen. Zu den Gasen gehören Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFC), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFC) und Schwefelhexafluorid (SF6).

Netto-Null Kohlenstoffemissionen (Net-Zero Carbon Emissions)

Hierbei handelt es sich um ein Synonym zur Kohlenstoffneutralität. Der grundsätzliche Unterschied besteht darin, dass die Kohlenstoffneutralität durch die Kompensation aus anderen Ländern erreicht werden kann. Bei Netto-Null Kohlenstoffemissionen sollen vor allem Emissionskompensationen nicht berücksichtigt werden.

Power Usage Effectiveness (PUE)

Mittels dem Wert aus der PUE wird die Energieeffizienz eines Rechenzentrums gemessen. Dabei wird die Größe an zugeführter Energie mit dem Energieverbrauch der Computer-Infrastruktur verglichen. Da es sich hierbei um einen Quotienten handelt, ist der bestmögliche PUE-Wert eines Rechenzentrums 1. Diesen Wert zu erreichen, ist in der Realität jedoch fast unmöglich. Meistens befinden sich Rechenzentren zwischen 1,1 bis 2, wobei ersteres oftmals beispielsweise Rechenzentren von Cloud-Anbietern und Hyperscalern sind.

Emissionslos (Zero-Emissions)

Hierbei handelt es sich um ein Gerät, Prozess, Motor, Energiequelle oder sonstige Verbraucher, die keine Treibhausgase ausstoßen.

Zero-Waste

Unter diesem Begriff versteht man die Schonung aller Ressourcen unter Berücksichtigung einer verantwortungsvollen Produktion, Verbrauch, Wiederverwendung, Rückgewinnung, Verpackung sowie Materialien. Zudem werden keine umweltschädlichen oder gesundheitsgefährdenden Ableitung in Boden, Wasser oder Luft ausgestoßen oder ausgeschüttet.


Der Bereich des Know-Hows zum Thema Sustainable IT wird regelmäßig mit neuen Erkenntnissen erweitert. Es lohnt sich also, öfters vorbeizuschauen.

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Yannick Hirt
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