Microsoft goes Mesh: Peinlicher Flop oder Meeting-Revolution?

Im Rahmen einer Microsoft Ignite Spotlight-Veranstaltung in Manchester (UK) verkündeten Microsoft-Vertreter, dass Microsoft einen Schritt Richtung Metaverse geht. Neben einer Partnerschaft mit Meta hat Microsoft auch Mesh-Avatare vorgestellt. Diese Mesh-Avatare führt Microsoft in Microsoft Teams ein.

Mesh-Avatare in Microsoft Teams

Teams-Nutzer können in Zukunft virtuelle Avatare erstellen und diese in Teams als Kamera-Input hinterlegen. Bezüglich der Avatare sind nur Menschen und keine Tiere, Fabelwesen oder Sonstiges möglich. Der erstelle Avatar muss nicht dem eigenen Aussehen entsprechen, allerdings ist ein zumindest ähnlicher Avatar durchaus sinnvoll. Nutzer können somit die Avatare zu 100 % individuell nach der persönlichen Vorstellung erstellen, allerdings gibt es Grenzen. Diese liegen in der limitierten Auswahl an Look-Elementen. So ist beispielsweise nicht jede Frisur einstellbar, wodurch oft der Avatar kein eins zu eins Abbild der realen Person sein kann. Diese Grenzen sollen in Zukunft natürlich aufgehoben werden. Die Avatare haben einen Comic-Look und befinden sich vor einem virtuellen Hintergrund, welcher ebenfalls einen Comic-Look aufweist.

Mesh Avatare aus dem Microsoft 365 Blog der Ignite 2022
Mesh Avatare aus „Microsoft 365 at Ignite—Re-energize your workforce in the office, at home, and everywhere in between“

Die Avatare sind animiert, wobei wir hier Default-Animationen und „reale Animationen“ unterscheiden müssen. Reale Animationen entstehen dann, wenn der entsprechende Nutzer entweder redet oder eine Reaktion wie „Applaus“ oder „Daumen hoch“ von sich gibt. Schaltet der Nutzer sein Mikrofon an und redet, so reagiert dessen Avatar, indem dessen Mundwinkel das Sprechen simuliert. Je nach Reaktion ändert sich die Animation in eine lebhafte Bewegung. Wenn der Nutzer momentan nicht spricht oder reagiert, dann läuft eine Default-Animation ab, um einen starren Avatar zu verhindern. Zwischen Default-Animation und den Bewegungen des Nutzers vor seinem Gerät besteht kein Zusammenhang. Die Kamera des Nutzers ist aus und Teams liest die Nutzerbewegungen nicht. Demnach dienen sie auch nicht als Grundlage für Avatar-Animationen. Microsoft plant für die Zukunft das Lesen der Nutzerbewegungen, als Basis für Avatar-Animationen einzuführen.

Trotz der Animationen soll die Datenrate für die Übertragung von Avataren geringer sein als die Übertragung per Kamera.

Skepsis gegenüber Mesh-Avataren

Demzufolge, dass Microsoft die Mesh-Avatare auf einer Präsenzveranstaltung vorgestellt hat, war die Skepsis durch Rückfragen und Umfragen des Publikums erlebbar.

Konkret wurde der Verlust von persönlichen Beziehungen und Interaktionen thematisiert. Dieser ist durchaus denkbar, wenn man in eine potenzielle Zukunft blickt, in der man viele Stunden die Woche mit Avataren spricht und interagiert. Weiter besteht durch die grenzenlosen Individualisierungsmöglichkeiten die Gefahr, seriöse und wichtige Meetings ins Lächerliche zu ziehen. Ohne den Respekt vor allen denkbaren Avataren zu verlieren, sind ernsthafte Verhandlungen oder Präsentationen nahezu undenkbar, wenn die virtuellen Teilnehmer beispielsweise mit einem auffälligen Hut erscheinen. Abschließend wurde auf die Gefahr einer steigenden Bequemlichkeit im Home-Office hingewiesen. Nach über zwei Jahren Home-Office sitzen wenig Arbeitnehmer im Business-Look im Home-Office. Daran ist per se auch nichts auszusetzen, sofern die Produktivität nicht darunter leidet. Der Zweifel daran erhöht sich allerdings durch Mesh-Avatare, da diese es einfacher machen, vom Bett direkt an den Remote-Desk zu gehen. Mesh-Avatare können somit die Professionalität und die Produktivität senken, wenn man sie falsch einsetzt.

DOs and DON’Ts

Neben all der Skepsis haben Mesh-Charaktere ihre Daseinsberechtigung. Einen positiven Einfluss auf den hybriden Arbeitsalltag haben sie, wenn man sich an den folgenden DOs & DON’Ts orientiert. Diese ergeben sich aus dem Feedback der Vorstellung auf der Ignite und den vermittelten Intentionen von Microsoft bezüglich den Avataren.

DOs

  • Avatare dann nutzen, wenn eine Kameraübertragung aus guten Gründen nicht möglich ist. Hierunter fallen Meetings während Reisen, also z. B. im Zug oder bei nicht ausreichender Internetverbindung.
  • Mitarbeiter, die sich mit einer Kameraübertragung unwohl fühlen, können Avatare nutzen, um selbstbewusster in Meetings teilnehmen zu können. Daraus ergibt sich ein Vorteil für das ganze Team.
  • Avatare als gute Option ansehen, um schwarze Kacheln in Meetings zu vermeiden.
  • Der Avatar-Look sollte einem Look entsprechen, mit dem Sie auch im Büro kein Problem hätten. So werden Probleme mit unangebrachten Avataren einfach und effizient aus der Welt geschafft.

DON’Ts

  • Avatare ausnahmslos einsetzten, um mit der Brechstange die Kameraübertragung zu ersetzen.
  • Avatare von heute auf morgen als neuen Standard ansehen. Die Interaktion mit Avataren mag für viele ungewohnt sein. Eine Übergangszeit ist demnach durchaus sinnvoll.
  • Unangebrachte Avatare erstellen und vergessen, sie vor wichtigen Meetings zu ändern. Regeln, die im Büro gelten, ergeben in digitalen Meetings meistens auch einen Sinn.

Fazit & Bonus

Ein finales Fazit ist dann möglich, wenn die Mesh-Avatare vollständig eingeführt und in der Praxis genutzt wurden. Heute kann man aber bereits sagen, dass es Einsatzgebiete und -zeitpunkte gibt, in denen Avatare durchaus sinnvoll sind. Allerdings ist es auch schnell möglich, dass Avatare falsch eingesetzt werden und mehr Chaos als Mehrwert bringen. Somit haben Avatare noch einen Weg vor sich, der von Flop bis Revolution überall enden kann.

Die thematisierte Ignite-Session ist unter Voraussetzungen On Demand hier abrufbar.

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Nico Ziegler

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