Agile Vorurteile – alles nur Willkür und Chaos? (Teil 2/2)

Bei den meisten Unternehmen hört man immer wieder – agil hier, agil da, alles muss agil sein, überall nur agil. Viele reden von Agilität, aber nicht alle wissen, was wirklich dahinter steckt. Agil zu arbeiten bedeutet nicht automatisch, dass alles besser wird, wenn man agil arbeitet. Daher die Frage: Muss tatsächlich jedes Unternehmen agil arbeiten, um überhaupt zu funktionieren?

In diesem Beitrag (Teil 2 von 2) werden nur einige der gängigen Vorurteile gegenüber Agilität angeschaut und versucht, diese klarzustellen, um für ein gemeinsames Verständnis zu sorgen. Einige diese Vorteile stimmen, jedoch ist ein anderer Blickwinkel notwendig, um das agile Mindset und somit die agile Arbeitsweise besser zu verinnerlichen. Der erste Teil des Betrages ist unter diesem Link zu finden.

1. Vorurteil: Agile Projekte bringen nur Probleme mit

Kurze Antwort auf dieses Vorurteil – ja und zwar am Anfang des Projektes. Die Probleme gleich zu Beginn zu merken und diese sofort sichtbar und transparent zu machen, ist ein fester Bestandteil des agilen Ansatzes. Beim agilen Arbeiten ist es sogar erwünscht die Probleme und Missverständnisse nicht zu verschweigen oder zu ignorieren. Dass die Probleme auftauchen, heißt im Zusammenhang mit Agilität nicht, dass im Projekt etwas falsch gemacht wurde. Ganz im Gegenteil – je früher ein Problem gefunden wird, desto schneller und zielorientierter kann dieses auch gelöst werden. Bei jedem Projekt kommt es zu unvorhergesehen Problemen und das ist auch ganz normal oder kennt jemand ein großes oder komplexes Projekt ganz ohne Probleme? Beim agilen Arbeiten werden die Probleme zugelassen, früh erkannt und solange diese noch klein sind, gelöst.

2. Vorurteil: Die Kunden bekommen nie was sie sich vorgestellt haben

Zu Beginn eines Projektes haben die Kunden meistens ganz klare Vorstellungen, was sie von dem Endprodukt erwarten. In vielen Fällen kann es sich jedoch herausstellen, dass das, was sie sich vorgestellt haben, nicht das ist, was sie in Wirklichkeit benötigen. Die Wünsche und Vorstellungen von Kunden sind bereits von bekannten Produkten beeinflusst und somit geprägt. Die Agilität hat aber einen anderen Ansatz – Agilität hilft dabei die Perspektive zu wechseln. Die Kunden rücken ins Zentrum des Projektes und plötzlich bekommen sie ganz andere Probleme und Bedürfnisse. Dieser Perspektivenwechsel ist beabsichtigt und soll die Kunden weg von den ursprünglichen Vorstellungen und hin zum besseren Design führen.

3. Vorurteil: Agile Arbeitsweise ist nur eine Modeerscheinung und geht wieder vorbei

Die Einführung von einer anderen Arbeitsweise in einem Team oder gar Unternehmen ist ein Prozess und u. U. gar nicht so ein kurzer und leichter Prozess. Dabei können solche Sorgen oder gar Vorurteile hochkommen, wie z. B. die Ablösung von den altbekannten und bewährten Methoden und Prozessen durch komplett neue und unbekannte Prozesse, die alles nur schlimmer und nicht besser machen. Tatsächlich sind die Chancen durchaus gegeben, dass die Einführung von agilen Methoden die Kollegen vor einigen Problemen und Frustrationen stellt. Daher sollte dieser Schritt in die Agilität nicht auf die „leichte Schulter“ genommen werden. Dieser Prozess erfordert Arbeit auf Augenhöhe (auch das Management!), sauberes Change Management und vor allem Vertrauen. Auch die Tatsache, dass nicht jeder bereit ist seinen/ihren Status und Position aufzugeben, wenn sie nicht wissen wofür genau sie das machen und welche Vorteile es bringen könnte.

4. Vorurteil: Bei agilen Projekten werden zu viele Fehler produziert

Fehler können unabhängig von der ausgewählten Projektmanagement-Methode entstehen – ob in agilen oder klassischen Strukturen. Es gibt hier nur einen Unterschied, bei agiler Arbeitsweise gehören die möglichen Fehler zum Konzept der agilen Methode. Der Grundgedanke dabei ist, dass man aus den Fehlern lernen soll. Jeder gemachte Fehler soll dazu beitragen, dass man besser wird und für die Zukunft gerüstet ist. Das Schlüsselwort heißt „positive Fehlerkultur“. Durch positive Fehlerkultur sollen die Teammitglieder davor entlastet werden, Angst vor den Fehlern zu haben und ihnen bewusst zu begegnen.  Je schneller die Fehler gefunden und ausgebessert werden, desto besser wird das Endprodukt und somit gewinnen alle Beteiligten.

5. Vorurteil: Der Kunde muss sich ständig um das agile Projekt kümmern

Bei agilen Projekten ist der Kunde ein fester Bestandteil des Teams. Aus diesem Grund muss sich der Kunde immer wieder um das Projekt kümmern. Dabei ist der Input bzw. das Feedback des Kunden sehr wichtig. Die Kunden sind diejenigen, die das Endprodukt nach der Fertigstellung auch benutzen werden, daher sind ihre Wünsche und das Feedback so wichtig. Ohne diesen wertvollen Input, ihre Meinung und ihre Priorisierung wird das Endprodukt nicht das volle Potenzial ausschöpfen können. Aus diesem Grund muss die Entscheidung für oder gegen ein agiles Projekt im Vorfeld getroffen werden. Wenn man nicht gewillt ist, mindestens 1 bis 2 Tage in das Projekt zu investieren, dann sollte man sich vielleicht doch gegen eine agile Arbeitsweise entscheiden.

 

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Palina Vorobeva

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