Künstliche Intelligenz ist überall. Sie empfiehlt uns neue Serien, optimiert komplexe Lieferketten und hilft Entwicklern beim Programmieren. Wir merken davon im Alltag kaum noch etwas. Aber genau diese Unsichtbarkeit täuscht gewaltig. Hinter den smarten Algorithmen stehen riesige Rechenzentren, die ununterbrochen arbeiten. Lange dachte man in der Informationstechnik bei Nachhaltigkeit vor allem an effizientere Kühlsysteme für ganz normale Server. Doch lernende Modelle spielen in einer völlig anderen Liga. Sie sind extrem datenhungrig. Und das macht sie unweigerlich zu einem absolut zentralen Thema für den heutigen Klimaschutz.
Warum verbraucht das alles eigentlich so viel Strom? Die Antwort liegt in der rasanten Entwicklung der Technik. Früher reichten für einfache Automatisierungen noch recht wenige Datenpunkte aus. Moderne Sprachmodelle benötigen für ihr Training hingegen Milliarden von Parametern. Das treibt den Energiebedarf enorm in die Höhe. Weltweit schluckten Rechenzentren im Jahr 2024 rund 415 Terawattstunden. Das macht immerhin anderthalb Prozent des globalen Strombedarfs aus. Gleichzeitig stoßen moderne Computerchips allmählich an ihre physikalischen Grenzen. Sie werden einfach nicht mehr so schnell effizienter wie früher. Der absolute Stromverbrauch steigt also munter weiter. Zudem erzeugen die speziellen Prozessoren sehr viel Abwärme. Deren komplexe Kühlung verbraucht in vielen Regionen Unmengen an kostbarem Wasser und bringt lokale Ökosysteme in Bedrängnis.
Strom ist allerdings nicht gleich Strom. Es macht für unsere Umwelt einen großen Unterschied, wo genau ein Server eigentlich steht. Ein Modell in einer Region mit hohem Kohlestromanteil zu trainieren, verursacht ein Vielfaches der schädlichen Emissionen im Vergleich zu einem Standort mit viel Windenergie. Die clevere Lösung für dieses Problem nennt man auch Carbon Aware Computing. Die Idee dahinter ist logisch. Man verschiebt bestimmte Rechenaufgaben einfach dorthin, wo gerade viel sauberer Sonnenstrom im Netz verfügbar ist. Im echten Geschäftsalltag klappt das natürlich nicht immer absolut perfekt. Strenge Datenschutzvorgaben oder die Anforderungen an schnelle Reaktionen in Echtzeit stehen dem oft im Weg. Dennoch ist die gezielte räumliche Steuerung von Rechenprozessen ein extrem mächtiger Hebel für Unternehmen.
Der wahre ökologische Preis verteilt sich über den kompletten Lebenszyklus. Das fängt bei der sehr aufwendigen Datensammlung an. Später kommt dann der tägliche Betrieb mit Milliarden ständiger Nutzeranfragen dazu. Am Ende müssen die ausgedienten Server irgendwann auch noch fachgerecht entsorgt werden. Deshalb müssen wir in den Unternehmen dringend offen über Suffizienz sprechen. Das bedeutet ganz einfach gesagt, dass wir uns öfter kritisch fragen sollten, ob wir für ein Problem wirklich zwingend eine komplexe Künstliche Intelligenz brauchen.
Ohne genaue Messwerte tappen wir bei all dem jedoch völlig im Dunkeln. Firmen müssen den Energieverbrauch ihrer Systeme systematisch erfassen. Eine wichtige Kennzahl ist dabei die PUE (Power Usage Effectiveness). Sie setzt den gesamten Energieverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zu der Energie, die unmittelbar von der IT genutzt wird. Je näher der Wert an 1,0 liegt, desto effizienter arbeitet das Rechenzentrum.
Neue gesetzliche Regeln zur Nachhaltigkeitsberichterstattung erhöhen hier ohnehin bald spürbar den Druck auf das Management. Nur auf Basis harter Daten können Führungskräfte sinnvolle und wirklich ausgewogene Entscheidungen treffen. Wenn wir weiterhin von der Automatisierung profitieren wollen, dürfen wir die konkreten Umweltauswirkungen nicht länger ausblenden. Echte Transparenz ist hier der unbestreitbare Schlüssel zum Erfolg.
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