SAP Document AI: Datenintegration mit SAP Integration Suite.

In Teil 1 unserer Blogreihe haben wir uns das „Human-in-the-loop“-Szenario angeschaut, bei dem extrahierte Daten manuell in einer SAPUI5-Oberfläche validiert werden. Doch was passiert, wenn das Belegaufkommen so massiv ansteigt, dass eine manuelle Prüfung zum unbezahlbaren Nadelöhr wird? Hier kommt die datengetriebene Integration ins Spiel. In diesem zweiten Teil zeigen wir Ihnen, wie durch die Kombination von SAP Document AI und der SAP Integration Suite eine vollständige Dunkelverarbeitung (Dark Processing) realisiert wird – berührungslos, hocheffizient und skalierbar.

Business Szenario: Vollautomatisch verbuchen

Stellen wir uns einen Großkonzern vor, der monatlich 50.000 standardisierte Rechnungen von festen Vertragspartnern oder Tochtergesellschaften erhält. Die Layouts sind bekannt, die Datenqualität ist hoch. Würde hier ein Team von Sachbearbeitern jede einzelne Extraktion manuell prüfen, wäre der wirtschaftliche Vorteil der KI dahin.

Das Ziel unseres Szenarios: Die Dokumente treffen über automatisierte Kanäle wie einen zentralen E-Mail-Inbound oder einen SFTP-Server ein und das System übergibt sie im Hintergrund an die SAP Document AI. Nach erfolgreicher Extraktion fließen die Daten ohne menschliches Zutun direkt in die SAP Integration Suite. Dort werden sie validiert, transformiert und vollautomatisch als Billing Document (Faktura) direkt im digitalen Kern (SAP S/4HANA) verbucht.

Lösungsarchitektur

Dieses Muster setzt auf eine ereignisgesteuerte, asynchrone Architektur. Die Integration Suite agiert dabei als der zentrale, intelligente Datenverteiler.

Architekturdiagramm zur Implementierung von SAP Document AI mit SAP Integration Suite Cloud Integration

  1. Ingest / Quelle: Ein automatisierter Trigger (z. B. ein iFlow-Timer, SFTP Listener oder ein Callback-Event), der das PDF an Document AI sendet.

  2. SAP Document AI: Verarbeitet das Dokument asynchron und hält das Ergebnis bereit.

  3. BTP Destination (Callback): Informiert die Integration Suite aktiv über die Fertigstellung.

  4. Cloud Integration (iFlow): Empfängt die Payload, übernimmt das Daten-Mapping und steuert das Error-Handling.

  5. SAP S/4HANA: Empfängt die transformierten Daten über die standardisierte OData-Schnittstelle.

Technische Umsetzung

Da wir im Enterprise-Kontext mit asynchroner Verarbeitung arbeiten, nutzen wir den integrierten Callback-Mechanismus von SAP Document AI. Das vermeidet ineffizientes Polling und schont die Systemressourcen der Integration Suite.

1. Der Callback-Endpunkt im Integration Flow

Der iFlow startet mit einem HTTPS-Sender-Kanal. Die dort generierte Endpunkt-URL wird in den BTP-Destinations hinterlegt. Sobald die Document AI die Extraktion abgeschlossen hat, sendet sie einen HTTP-Post-Request an diesen iFlow. Die Payload enthält direkt das extrahierte JSON-Ergebnis.

2. Daten-Transformation: Groovy Script vs. XSLT Mapping

Das von SAP Document AI gelieferte Ergebnis liegt nativ im JSON-Format vor. Um dieses in die von S/4HANA erwartete Struktur für Billing Documents zu bringen, stehen Entwicklern zwei Wege offen:

  • Weg A (XML & XSLT): Die JSON-Payload wird über einen JSON-to-XML-Converter in XML umgewandelt. Anschließend wird ein klassisches XSLT-Mapping ausgeführt, um die Felder (wie Netto-Betrag, Steuer, Kreditor) zuzuweisen.

  • Weg B (Groovy Script – Empfehlung): Um Konvertierungs-Overhead zu vermeiden, nutzen wir ein Groovy Script. Dieses parst das JSON-Objekt nativ, führt Validierungen durch (z. B. „Liegt der Konfidenzwert aller Pflichtfelder über 85%?“) und baut direkt die finale JSON-Struktur für den S/4HANA OData-Aufruf auf.

3. Verbuchung im S/4HANA Core via OData

Die transformierten Daten werden über einen OData-Receiver-Kanal an S/4HANA übergeben. Wir nutzen hierbei das standardisierte API aus dem SAP Business Accelerator Hub: Billing Document - Read, Create, Delete (API_BILLING_DOCUMENT_SRV). Der iFlow übergibt die Daten per POST-Request an die Entity A_BillingDocument.

Voraussetzungen

Für die Umsetzung dieses automatisierten Musters müssen folgende technischen Komponenten vorbereitet sein:

  • SAP Integration Suite: Ein aktiver Subaccount mit aktivierter Cloud Integration Capability

  • HTTPS Inbound Konfiguration: Vergabe der entsprechenden Rollen (MessagingSend) für den Service-User, damit Document AI den iFlow aufrufen darf

  • BTP Destination für den Callback: Eine Destination in der BTP, die auf die Runtime-URL des iFlows verweist

  • S/4HANA Konnektivität: Ein Cloud Connector (bei On-Premises/Private Cloud) oder eine direkte Kommunikationsvereinbarung (Public Cloud) zur Freischaltung des Billing-Document-OData-Services

Fazit

Dieses Muster ist der Standard für High-Volume-Szenarien, bei denen Effizienz und Durchsatz im Vordergrund stehen. Es minimiert die Prozesslaufzeiten von Tagen auf wenige Sekunden.

Einbindung der Document AI Benutzeroberfläche

Ein großer Vorteil dieses Musters ist seine Flexibilität: Es funktioniert sowohl, wenn Dokumente vollautomatisch über Schnittstellen eintreffen, als auch, wenn Key-User Dokumente gesammelt über die Standard-UI von SAP Document AI hochladen. Der anschließende Verbuchungsprozess im ERP bleibt identisch digitalisiert und entkoppelt.

Architektur-Tipp aus der Praxis: Im iFlow sollte zwingend ein datenbasiertes Routing für den Fehlerfall berücksichtigt werden. Fällt der Konfidenzwert der KI bei einer Rechnung unter einen definierten Schwellenwert, sollte der iFlow die Buchung in S/4HANA stoppen und stattdessen ein Ticket im System anlegen oder den Beleg in eine manuelle Klärungsschleife leiten.

Im nächsten und letzten Teil unserer Blogreihe betrachten wir das dritte Integrationsmuster. In Teil 3 orchestrieren wir komplexe, abteilungsübergreifende Geschäftsprozesse und Genehmigungsworkflows mithilfe von SAP Build Process Automation.

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