Wer heute ein neues Projekt auf der SAP Business Technology Platform (SAP BTP) startet, steht früher oder später vor einer zentralen Architekturentscheidung:
Welche SAP BTP Runtime soll ich für meine Anwendungsentwicklung nutzen?
Die Antwort ist nicht so eindeutig wie viele erwarten. Während Cloud Foundry lange Zeit die Standardlaufzeit für individuelle Erweiterungen auf der SAP BTP war, gewinnt Kyma mit seinem Kubernetes-Fundament und seiner Cloud-Native-Ausrichtung zunehmend an Bedeutung. In diesem Beitrag thematisieren wir die Unterschiede, typische Einsatzszenarien und geben eine praktische Entscheidungshilfe für Projektteams, die sich mit der Anwendungsentwicklung auf der SA BTP beschäftigen.
Cloud Foundry ist die bewährte Platform-as-a-Service-Laufzeit der SAP BTP. Entwickler konzentrieren sich auf ihren Anwendungscode, während die Plattform Themen wie Containerisierung, Routing, Skalierung und Infrastrukturmanagement übernimmt. Typischerweise deployt ein Entwickler seine Anwendung mit wenigen Befehlen:
cf login
cf target -o my-org -s dev
cf push
Die Plattform kümmert sich anschließend um die Containerisierung, das Routing und die Skalierung der Anwendung. Dadurch eignet sich Cloud Foundry besonders für Teams, die Geschäftsanwendungen entwickeln möchten, ohne sich intensiv mit Infrastrukturthemen beschäftigen zu müssen.
Kyma ist eine vollständig verwaltete Kubernetes-Laufzeit auf der SAP BTP. Sie basiert auf dem Open-Source-Projekt Kyma und kombiniert Kubernetes mit weiteren Cloud-Native-Technologien. Mit Kyma können Entwickler:
Kyma bietet deutlich mehr Flexibilität, erfordert jedoch auch ein tieferes Verständnis von Kubernetes und Cloud-Native-Konzepten.
Der eigentliche Unterschied liegt nicht in der technischen Leistungsfähigkeit, sondern im Grad der Infrastrukturkontrolle.
Cloud Foundry verfolgt den Ansatz:
„Ich möchte meine Anwendung deployen und mich nicht um die Infrastruktur kümmern.“
Die Plattform abstrahiert viele technische Details und ermöglicht einen schnellen Projektstart. Entwickler konzentrieren sich auf den fachlichen Mehrwert ihrer Lösung. Kyma verfolgt den Ansatz:
„Ich möchte die Vorteile einer Kubernetes-Plattform vollständig nutzen.“
Hier erhalten Teams deutlich mehr Kontrolle über die einzelnen Bestandteile eines Kyma-Projektes, wie die einzelnen Container, respektive Deployments und die Skalierungsstrategien. Diese Flexibilität ist insbesondere in komplexen Cloud-Native-Szenarien attraktiv.
Cloud Foundry eignet sich hervorragend für:
In vielen Kundenprojekten ist Cloud Foundry noch immer die schnellste und wirtschaftlichste Lösung, insbesondere wenn keine besonderen Kubernetes-Anforderungen bestehen.
Ein Unternehmen entwickelt ein Self-Service-Portal für Geschäftspartner:

Für dieses Szenario bietet Cloud Foundry alles Notwendige – ohne zusätzlichen Betriebsaufwand.
Kyma überzeugt insbesondere bei:
In einem IoT-Projekt sollen Daten aus tausenden Sensoren verarbeitet werden:

Hier bietet Kyma die notwendige Flexibilität und Skalierbarkeit.
Nein, SAP entwickelt beide Laufzeitumgebungen aktiv weiter. Die Entscheidung sollte von den fachlichen und technischen Anforderungen eines Projekts abhängen.
Nicht jedes Projekt benötigt Kubernetes. Viele klassische SAP-Erweiterungen profitieren kaum von den zusätzlichen Möglichkeiten, tragen jedoch die höhere technische Komplexität. Cloud Foundry ist daher keineswegs veraltet, sondern in vielen Szenarien die pragmatischere Wahl.
Auch das ist falsch. Zahlreiche unternehmenskritische SAP-Erweiterungen laufen seit Jahren erfolgreich auf Cloud Foundry und profitieren von der hohen Abstraktionsebene der Plattform.
| Frage | Cloud Foundry | Kyma |
|---|---|---|
| Entwickeln wir eine CAP-Anwendung? | ✅ | Bedingt geeignet |
| Benötigen wir Kubernetes? | ❌ | ✅ |
| Setzen wir auf Microservices? | Bedingt geeignet | ✅ |
| Soll der Projektstart möglichst einfach sein? | ✅ | Bedingt geeignet |
| Haben wir Kubernetes-Know-how im Team? | Nicht erforderlich | Wichtig |
| Arbeiten wir stark eventgetrieben? | Bedingt geeignet | ✅ |
| Müssen Container individuell konfiguriert werden? | Bedingt geeignet | ✅ |
In unseren Kundenprojekten sehen wir aktuell weiterhin einen starken Fokus auf Cloud Foundry bei klassischen SAP-Erweiterungen und CAP-Anwendungen. Gleichzeitig wächst das Interesse an Kyma kontinuierlich – insbesondere bei Kunden, die Cloud-Native-Architekturen aufbauen, Event Mesh intensiv nutzen oder Kubernetes bereits strategisch im Unternehmen einsetzen. Wir beobachten dabei zunehmend hybride Architekturen, in denen beide SAP BTP Runtimes ihre jeweiligen Stärken ausspielen.
Die Frage lautet nicht:
„Welche Runtime ist besser?“
Sondern:
„Welche Runtime passt besser zu meinem Projekt?“
Cloud Foundry bleibt die erste Wahl für viele klassische SAP-BTP-Anwendungen, da sie einen schnellen Einstieg und eine hohe Produktivität ermöglicht. Kyma hingegen bietet maximale Flexibilität für moderne Cloud-Native-Architekturen, Microservices und Kubernetes-basierte Szenarien. Die gute Nachricht: Sie müssen sich nicht zwangsläufig für eine einzige Runtime entscheiden. SAP BTP ermöglicht es, je nach Anforderung die passende Umgebung einzusetzen und beide Welten miteinander zu kombinieren.
Unser Rat: Starten Sie mit den fachlichen Anforderungen, nicht mit der Technologie. Die richtige SAP BTP Runtime ergibt sich meist aus der Architektur – nicht umgekehrt. Die richtige Entscheidung hängt von Ihren Anforderungen, Ihrem Team und Ihrer Zielarchitektur ab. Gerne unterstützen wir Sie dabei, die optimale SAP BTP Runtime für Ihr Projekt zu identifizieren. Sprechen Sie uns an.
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