Edge Computing: Definition, Benefits & Herausforderungen

Unsere schnelllebige Welt fordert auch der IT jedes Unternehmens immer mehr ab – immer größere Datenmengen müssen unmittelbar verarbeitet werden und zur Verfügung stehen. Das stellt selbst IT-Infrastruktur, die vollständig auf Cloud Lösungen setzt, zum Teil vor Herausforderungen. Eine Möglichkeit zur schnelleren Datenverarbeitung bietet das IT-Trendthema Edge Computing. Warum diese Methode für so viele Branchen relevant ist, welche Vorteile sie mitbringt und welche Schwachstellen sie noch hat, erfahren Sie in diesem Artikel.

IT Trend 2023: Was ist überhaupt Edge Computing?

Beim Edge Computing können Daten am Rand eines Netzwerks verarbeitet werden. Konkret bedeutet das, dass sie nicht zuerst an die zentrale Cloud eines Unternehmens gesendet und dort verarbeitet werden müssen. Geräte, die eine eigene Verbindung zum Internet haben, können sich somit um die Verarbeitung ihrer Daten zu großen Teilen selbst kümmern. Möglich ist das durch immer leistungsfähigere Mikrocontroller, die in Kombination mit KI-Algorithmen eigenständig Workloads lokal ausführen können. Damit entfällt auch die Notwendigkeit der ständigen Verbindung zum Internet. In der Praxis bedeutet das, dass beispielsweise Fertigungsroboter eigenständig erkennen können, wann Wartungsarbeiten durchgeführt werden müssen und somit geregelte Wartungsintervalle nicht mehr nötig sind.

 

Mögliche Einsatzgebiete in Wirtschaft und Alltag

  • Transport: Connected Cars
  • Industrie 4.0: Smart Factory
  • Intelligente Stromnetze
  • Wartung & Instandhaltung
  • Gesundheit: Echtzeit-Überwachung von Patientendaten

Diese Vorteile ergeben sich durch Edge Computing

 

Stabile & ständige Verfügbarkeit

Mit Edge Computing ist keine ständige Verbindung zum Internet mehr nötig. Da die Datenverarbeitung direkt am Netzwerkrand stattfindet und Daten nicht erst in die zentrale Cloud gesendet werden müssen, können die Systeme, sofern nötig, auch offline arbeiten. Das gibt beispielsweise für die intelligente Verkehrsplanung die nötige Stabilität in der Verfügbarkeit.

 

Latenzzeit & Geschwindigkeit

Werden Daten zentral über die Unternehmens-Cloud verarbeitet, gibt es immer Latenzzeiten – die kurze Zeit, die für die Datenübertragung benötigt wird. Was als Endanwender im klassischen Arbeitsalltag nicht auffällt, kann in vernetzten Fabriken beispielsweise zu Problemen und Störungen führen. Da dieser Datentransfer bei Edge Computing entfällt, sinken Latenzzeiten auf Bruchteile von Millisekunden, sodass Datenverarbeitung nahezu in Echtzeit möglich ist.

 

Einsparung von Kosten

Die Datenmengen, die verarbeitet und gespeichert werden müssen, steigen immer weiter. Das sorgt für einen großen Bedarf an Bandbreite und Storage, der mit der Zeit teuer wird. Edge Computing reduziert die Netzwerknutzung und damit den Bandbreitenbedarf von Unternehmen. Dadurch sinken die Kosten für Speicherkapazitäten in der zentralen Unternehmens-Cloud.

 

Datenschutz & -sicherheit

Beim Einsatz von Edge Computing müssen nicht mehr alle kritischen und personenbezogenen Daten in der Cloud gespeichert werden. Vielmehr werden sie nur lokal verarbeitet, was Unternehmen die Einhaltung von Compliance- und Sicherheitsvorgaben erleichtert.

Schwachstellen, die Edge Computing noch überwinden muss

 

Komplexe Netzwerkstruktur

Verarbeiten Unternehmen alle Daten zentral in der Cloud, ist das die einzige Schnittstelle, die eingebunden und gewartet werden muss. Bei Edge Computing gibt es wiederum zahlreiche kleinere Netzwerke und Schnittstellen unterschiedlicher Hersteller, die untereinander kommunizieren und vernetzt werden müssen. Auch die Wartung ist damit mit höherem Aufwand verbunden.

 

Cyberangriffe

Die lokale Datenverarbeitung und -speicherung kann aus Sicht der Sicherheit sowohl ein Vor- als auch ein Nachteil sein. Zwar müssen nicht mehr alle Daten in der Cloud gespeichert werden – gleichzeitig entsteht in jedem lokalen Netzwerk, das im Zuge des Edge Computings errichtet wird, ein mögliches neues Einfallstor für Cyberangriffe. Zentrale Cloud Infrastruktur ist in der Regel mit besonders starken Maßnahmen abgesichert, während einzelne Endpoints häufig unzureichend gesichert sind.

 

Komplexes Lifecycle Management

Edge-Netzwerke werden in der Regel nicht nur einmalig aufgesetzt – vielmehr müssen sie mit der Zeit angepasst oder ausgebaut werden, um neuen Anforderungen gerecht zu werden. Damit Unternehmen den Überblick über ihr eigenes Netzwerk nicht verlieren, müssen sie ein detailliertes Lifecycle Management einführen, das jederzeit über alle Informationen zu allen Endpunkten und über ihren Zustand verfügt.

Edge Computing zählt zu den IT-Megatrends für 2023

Edge Computing bietet die Möglichkeit, Daten schneller zu verarbeiten und ebnet damit den Weg für Zukunftstechnologien wie Connected Cars oder Smart Factories. Damit zählt es zu einem der wichtigsten und größten IT-Trends für 2023. Unternehmen profitieren vor allem von kurzen Latenzzeiten, ständiger Verfügbarkeit und können Kosten einsparen, da geringere Bandbreite und Storage nötig sind. Dennoch stehen sie gerade im Bereich IT-Security vor Herausforderungen, da es eine größere Zahl an Endpoints und damit Einfallsstellen für Kriminelle gibt. Es bleibt in jedem Fall spannend, die Entwicklungen in den kommenden Monaten und Jahren zu verfolgen.

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Fabian Brechlin

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